Ulrich Blumenbach

Les 42e Journées Littéraires de Soleure n'ont pas pu lieu sur place à cause de la crise sanitaire. À cette occasion, les invités (auteurs et autrices, traducteurs et traductrices) avaient préparé divers documents. Le CTL reproduit ici l'entretien mené avec le traducteur pour le «Livre du bord» du festival en ligne.

 

Gespräch mit dem Übersetzer Ulrich Blumenbach

Umständehalber führen wir ‒ Ulrich Blumenbach und ich, Martin Zingg, sein Moderator ‒ unser Gespräch per Mail.

 

Über Ulrich Blumenbach und seine Arbeit als Übersetzer gibt es eine Menge zu erzählen. Ich fasse mich kurz: Ulrich Blumenbach wurde 1964 in Hannover geboren und hat in Münster, Sheffield und Berlin Anglistik, Germanistik und Geschichte studiert. Seit 1993 arbeitet er als Übersetzer aus dem Englischen und aus dem Amerikanischen Englisch ins Deutsche. Er lebt mit seiner Familie in Basel und leitet zusammen mit Fritz Senn das Zürcher Übersetzertreffen.

Er hat unter anderem Werke übersetzt von Stephen Fry, Kinky Friedman, Dorothy Parker, Jack Kerouac, David Foster Wallace und Joshua Cohen. Am bekanntesten ist wohl seine vielgerühmte Übersetzung von D. F. Wallaces Roman «Unendlicher Spass» (Infinite Jest), für die er mit drei Preisen bedacht wurde. Zuletzt bekam er 2015 das Zuger Übersetzer-Stipendium und 2016 den Kulturpreis der Stadt Basel.

Gegenwärtig arbeitet er an einer Übersetzung von Joshua Cohens Roman «Witz». Der äusserst komplexe und mit rund 800 Seiten ziemlich umfangreiche Roman hat, wie Blumenbach notiert, einen «eigenartig flirrenden sprachlichen Reichtum». Die Übersetzung soll 2022 erscheinen.

 

UB und Martin Zingg.jpg

 

Martin Zingg: Hast Du eine Lieblingsübersetzung, die Dich besonders geprägt oder weitergebracht hat?

Ulrich Blumenbach: Besonders geprägt hat mich Hans Wollschlägers Übersetzung von James Joyces Ulysses. Die habe ich allerdings gelesen, lange bevor ich Übersetzer wurde. Aber der Sound, den er damals gefunden hat, hat mich über Jahre begleitet. Ein prägender Kollege in den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit war dann Harry Rowohlt. In den neunziger Jahren habe ich Bücher oft nicht ihrer Autoren wegen gelesen, sondern weil Rowohlt sie übersetzt hatte. Er hat mir vorgemacht, welche unglaublichen – bei ihm meist komischen – Nuancen man aus der deutschen Sprache herauskitzeln kann.

 

Welches sind für Dich die grössten Glücksmoment beim Übersetzen?

Wenn das richtige Wort an der richtigen Stelle steht. Wenn ein Wortspiel nicht mehr übersetzt klingt, sondern aus dem Deutschen heraus funktioniert und lebt. Wenn bei einer Gedichtübersetzung ein vielsilbiges Wort trotzdem ins Metrum passt. Wenn ich eine geniale Lösung finde, die ich gar nicht gesucht habe. Wenn ich die Wortbildungs­möglichkeiten der Sprache ausloten und erweitern kann. Wenn ich gute Sätze durch Aufschreiben aufbewahren kann. Wenn ich das sinnliche Glück gelingender Sprache erfahre.

 

 

Hier finden Sie das ganze Gespräch:

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